Limassol: Solarthermisches Kraftwerk der Protarget AG feierlich in Betrieb genommen

Limassol: Solarthermisches Kraftwerk der Protarget AG feierlich in Betrieb genommen

Der Rahmen stimmte, als die Verantwortlichen des größten zypriotischen Fruchtsaftherstellers „Kean Softdrinks Ltd“ Ende Juni bei strahlendem Sonnenschein ihr neues, von der Kölner Protarget AG erbautes solarthermisches Kraftwerk offiziell in Betrieb nahmen. Der deutsche Botschafter war eigens aus Zyperns Landeshauptstadt Nikosia zum Unternehmensstandort in Limassol, der zweitgrößten Stadt des Landes, gekommen. Dort hatten sich viele Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eingefunden. Sie alle wollten die Vollendung eines prestige- und zukunftsträchtigen Projekts miterleben. „Für uns ist dieser Tag ein besonderer“, erklärte Martin Scheuerer, Kaufmännische Vorstand des Kölner Technologieunternehmens Protarget AG, „wir haben hier erneut unter Beweis gestellt dass unsere solarthermischen Anlagen Prozesswärme und Dampf deutlich Kostengünstiger im Vergleich zu konventionellen Kesselanlagen erzeugen können und somit zu einer Signifikaten Reduktion der industriellen CO2 Emissionen beitragen“.Die neue Anlage ist die erste in Zypern, bei der die so genannte Parabolic Trough Collector- (PTC) Technologie zum Tragen kommt. Alleine mit Sonnenenergie wird nun hochtemperierter Dampf erzeugt, der in industriellen Prozessen Verwendung findet. Der Fruchtsafthersteller Kean nutzt den bis zu 425°C heißen Dampf unter anderem für die Pasteurisierung, also Haltbarmachung, von Fruchtsäften. Bislang musste der Dampf mit fossilen Brennstoffen wie Schweröl, Diesel oder Gas in konventionalen Heizkesseln erzeugt werden. Dank des in Köln entwickelten Kraftwerks reduziert sich der Schwerölverbrauch des Unternehmens künftig um rund 20 Prozent. 150 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid bleiben der Atmosphäre so Jahr für Jahr erspart.

Da der Betrieb der Anlage vollautomatisiert ist, glänzt diese mit äußerst geringen Unterhaltungskosten. Der Wartungsaufwand beschränkt sich auf die Spiegelreinigung. Alle Komponenten des Kraftwerks sind für die besonderen Bedingungen in Wüstengebieten ausgelegt und können ihre volle Leistung über 25 Jahren erbringen. „Die Integration eines thermischen Speichers ermöglicht darüber hinaus die Dampferzeugung rund um die Uhr, was für die Lebensmittel Produktion unerlässlich ist“, sagt Scheuerer. Der Standort Zypern gilt ohnehin als ideal für die Nutzung der Sonnenenergie mittels der Concentrated Solar Thermal Technologie (CST). Schließlich ist die direkte Sonnenstrahlung dort mehr als doppelt so intensiv wie in Deutschland.

So rechnet sich die Investition nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. „Die Investitionskosten werden sich bereits nach vier Jahren amortisiert haben“, betont Scheuerer. Außerdem könne das zypriotische Unternehmen künftig deutlich unabhängiger von Ölpreissteigerungen und möglichen Emissionsabgaben agieren. Daher habe Kean bereits dem Bau einer weiteren Anlage am Standort Limassol zugestimmt. Ziel ist es bereit im kommenden Jahr die Dampferzeugung der Firma zu 100% aus Solarenergie zu generieren.

Gefördert wurde das Projekt von der zypriotischen Forschungsförderungsstiftung, dem spanischen Ministerium für Wirtschaft und Wettbewerb, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Anlage ist zudem Teil des internationalen Forschungsprojekts EDITOR (Evaluation of the Dispatchability of a Parabolic Trough Collector System with Concrete Storage).

Vertreter der zypriotischen Wirtschaft, Politik und der Forschung beim Besuch der CST Anlage bei KEAN in LimassolJohn Mitchell, Technischer Direktor bei Protarget erklärt die Funktionsweise der CST TechnologieLinks, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Zypern Franz Josef Kremp, daneben, Besitzer der Firma KEAN

Die Protarget AG wurde 2009 in Köln gegründet und ist spezialisiert auf die Entwicklung, Produktion und Errichtung schlüsselfertiger CST-Kraftwerke zur industriellen Dampfversorgung. Diese Technologie lässt sich zudem in anderen Bereichen wie Kühlprozessen und der industriellen Abwasseraufbereitung einsetzen. Im Laufe des zehnjährigen Bestehens der AG wurden kommerzielle Anlagen in Deutschland, Zypern, Indien und Brasilien erfolgreich realisiert. Weitere Projekte in Jordanien, Chile, Südafrika und Indien sind geplant.